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Kampf dem Fachkräftemangel

Die Berufsschule Vilshofen bietet ab dem Schuljahr 2019/2020 für Glaser, Metallbauer und Schreiner im Rahmen des neuen Angebots "Abi + Ausbildung" eine stark verkürzte Lehrzeit an.

Alle Beteiligten sind vom großen Nutzen des neuen Angebots „Abi + Ausibildung“ bei der Bewältigung des Facharbeitermangels überzeugt: Im Bild (v.l.): Ltd.RegschDin Maria Sommerer, Berufsschulverbandsvorsitzender Walter Taubeneder, Ltd.MR Werner Lucha, Landrat Franz Meyer, Schulleiterin Christa Jungwirth, Bürgermeister Florian Gams und Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. (Foto: © Willi Jungwirth)
Alle Beteiligten sind vom großen Nutzen des neuen Angebots "Abi + Ausibildung" bei der Bewältigung des Facharbeitermangels überzeugt: Im Bild (v.l.): Ltd.RegschDin Maria Sommerer, Berufsschulverbandsvorsitzender Walter Taubeneder, Ltd.MR Werner Lucha, Landrat Franz Meyer, Schulleiterin Christa Jungwirth, Bürgermeister Florian Gams und Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. (Foto: © Willi Jungwirth)

Die Berufsschule Vilshofen richtet ab dem Schuljahr 2019/20 in den Ausbildungsrichtungen Metallbauer, Schreiner und Glaser eigene Abiturientenklassen mit verkürzter Ausbildungsdauer ein (siehe Bericht Glas+Rahmen 1/2019, S. 60) und will so dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Nun wurde das Projekt offiziell vorgestellt.

Mit Vertretern aus Politik, Schulen, Verbänden und Betrieben fand Anfang Februar eine Auftaktveranstaltung im Salzstadel der Berufsschule statt. Nach der Gästebegrüßung durch die Schulleiterin Christa Jungwirth stellte Landrat Franz Meyer die Bedeutung dieses Termins hervor: "Dieser Auftakt ist zukunftsweisend, ja sogar historisch, nicht allein für die Region, sondern für ganz Bayern. Wir beschreiben nicht nur das Problem des Fachkräftemangels. Bei uns wird es angepackt."

Wirtschaftliche Herausforderung

Seit 2013 beginnen mehr junge Menschen ein Studium als eine Ausbildung. Der Run auf das Abitur und Studium ist weiterhin ungebremst. Bezüglich des Bedarfs an Akademikern führte der Berufsschulverbandsvorsitzender Walter Taubeneder einen aussagekräftigen Vergleich an: "Der größte Arbeitgeber in Niederbayern beschäftigt 18 Prozent Akademiker. Alle anderen seien Techniker, Meister, Fachkräfte und Arbeiter."

Der Mangel an Fachkräften und Auszubildenden sei eine der größten wirtschaftlichen Herausforderungen in den kommenden Jahren. "Die Kernfrage dieses Problems ist, wie können wir die Hochschulzugangsberechtigen von einer Ausbildung im Handwerk überzeugen? Das Modell `Abi + Ausbildung` ist wegweisend, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken", lobte Taubeneder.

Fachleute werden gesucht

"Das Handwerk boomt auf hohem Niveau. Nicht nur Fachkräfte und Auszubildende fehlen in allen Branchen", zeigte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, Hans Schmid, auf.

Handwerk"10.000 Handwerksbetriebe im HWK-Bezirk Niederbayern-Oberpfalz stehen in den nächsten zehn Jahren zur Übergabe an. Und die Anforderungen im Handwerk werden immer komplexer. Wir brauchen gute Leute in jedem Bereich."

Die Fachbereichsleiter Robert Kriegl, Frank Dullinger und Tobias Stadler gaben Informationen über das Modell "Abi + Ausbildung" und dessen Umsetzung an der Berufsschule Vilshofen. Georg Bachmeier, stellvertretender Schulleiter, moderierte die Gesprächsrunde mit den Innungsobermeistern, einem Schreinerlehrling mit Abitur, dem Vertreter aus dem Kultusministerium und dem Koordinator für Berufliche Orientierung am Adalbert-Stifter-Gymnasium Passau.

Zusatzangebote während der Lehrzeit

Mit einem Appell richtete sich der leitende Ministerialrat Werner Lucha an die Zuhörer im Raum: "Es muss uns gelingen, junge Leute für das Handwerk zu gewinnen und sie zu überzeugen, dass sie auch im Handwerk bleiben." Lucha gab den Anstoß für Abi + Ausbildung in Vilshofen.

Seine Idee, dieses Modell für die Metallbauer zu entwickeln, weitete die Schule auch auf die Schreiner und Glaser aus. Lucha ist es sehr wichtig, dass die Abiturienten nicht nur eine enorme Lehrzeitverkürzung, sondern viele mögliche Zusatzangebote während der Lehrzeit bekommen.

Win-Win-Situation

So sind an der Berufsschule Vilshofen in allen drei Ausbildungsrichtungen die CNC-Fachkraft, die Elektrofachkraft, der Stapler-, Hubbühnen- und Kranführerschein und in Kooperation mit der HWK die Möglichkeit einer frühzeitigen Meisterausbildung vorgesehen. Bei den Metallbauern wird zudem eine intensive Schweißausbildung unter Einsatz von digitalen Schweißsimulatoren angeboten.

Schulleiterin Christa Jungwirth sprach von einer Win-Win-Situation: Die Betriebe bekämen mehr Lehrlinge, interessierte, motivierte, leistungsstarke Auszubildende, die auch für Führungspositionen geeignet seien und vielleicht einmal einen Betrieb übernehmen könnten. Die Abiturienten können gleich Geld verdienen, erhalten heimatnahe Arbeitsplätze und haben dabei alle Möglichkeiten für eine Weiterbildung oder ein Studium offen, so Jungwirth.

Positives Echo aus dem Glaserhandwerk

Auch Thomas Strobl, Landesinnungsmeister des Bayerischen Glaser- und Fensterbauhandwerks, sieht Abi + Glaser sehr positiv: "Durch die verkürzte Ausbildung kommen die Abiturienten schnell zum Gesellenbrief und schnell zum Meister. Im Anschluss kann die Selbstständigkeit folgen und eventuell auch ein Betrieb übernommen werden.

In vielen Glaserbetrieben werden Führungskräfte gesucht. Ich sehe in Abi + Ausbildung eine hervorragende Möglichkeit für das Glaserhandwerk, wieder mehr Auszubildende für dieses schöne Handwerk zu bekommen."

Kritikern begegnet Landesinnungsmeister Thomas Strobl mit zwei Argumenten: "Wenn ich die Guten nicht ausbilde, dann habe ich bald gar keinen Lehrling mehr." Zur frühzeitigen Meisterausbildung meinte er: "Wir müssen den jungen Leuten in Führungspositionen eine Chance geben. Mit den Aufgaben wachsen ihre Fähigkeiten."

Betriebe sind am Zug

Der Koordinator für die berufliche Orientierung an Gymnasien, Johannes Holzleiter, stellte klar heraus: "Das Interesse an einer Ausbildung nach dem Abitur ist durchaus groß. Viele junge Abiturienten wollten endlich praktisch arbeiten. Nach einer kürzlich durchgeführten Befragung sind 10-15 Prozent der Befragten für eine berufliche Ausbildung bereit."

Erwähnenswert sei hierbei auch, dass gerade die leistungsstärksten Schüler diese Einstellung vertraten. Aus seiner Sicht sind nun in erster Linie die Betriebe gefordert. "Sie müssen einen guten Job hinsichtlich des Marketings machen, um Lehrlinge anzuwerben."

www.bsvof.de

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